KINDER- UND JUGENDLICHEN-PSYCHOTHERAPIE
Zeitschrift für Psychoanalyse und Tiefenpsychologie

Die führende
Fachzeitschrift für
Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse

Aus dem Inhalt 

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  • SABINE VOGEL / KATHARINA FITTE

    Wenn es um Gefühle geht,
    ist das Fremde plötzlich weg

    Aus der Arbeit mit Geflüchteten –
    eine Praxisreflektion

    Im Zentrum des Artikels stehen Beginn und Anfangsphase einer Kinderbehandlung. Ein sechsjähriges afghanisches Mädchen kommt mit ihrer Familie; sie kommt ins Spielen, dann ins Sprechen; schließlich kommt sie auch allein.

    Wir fragen, ob in der Psychotherapie mit Geflüchteten, bei denen es sich fast durchweg um traumatisierte Menschen in höchst prekären Situationen handelt, eine Umstellung der gewohnten Interventionspraxis geboten ist. Eine Ausweitung des therapeutischen Rahmens – manchmal als unfreiwillige Komplikation, manchmal als sinnvolle Erweiterung des Settings – wird diskutiert.

  • ERWIN STURM

    Behandlung in sieben Stunden?

    Gedanken zu analytischen Gesprächen
    mit einem jungen Geflüchteten

    Die Arbeit beschreibt anhand der ausführlichen Darstellung der analytischen Gespräche mit einem 24-jährigen Geflüchteten, wie eine solche »Behandlung« einem akut dekompensierten, vor und während der Flucht schwer traumatisierten Menschen helfen kann, seine innere und äußere Hand­lungs­fähigkeit zurück­zugewinnen. Insbesondere werden Intensität und die schwer aushaltbaren Bilder, Gegenübertragungsphantasien und -affekte dargestellt und in Bezug zu der Entwicklung des Patienten vor und während der Behandlung gesetzt.

    Zum Abschluss wird ein Modell vorgeschlagen, mit welchem plausibel wird, warum nur bei wenigen Geflüchteten in der ersten Zeit nach ihrer Ankunft therapeutische Gespräche unbedingt erforderlich sind, obgleich eine sehr große Zahl an Traumafolgestörungen leidet.

    Implizit wird dafür geworben, das spezifische analytische Verständnis menschlichen Erlebens für die sehr anspruchsvolle und (teilweise über-)fordernde Arbeit mit Geflüchteten zur Verfügung zu stel­len, auch da sie ein hohes Maß an Sinnhaftigkeit und damit mittelbarer Befriedigung beinhaltet.

  • MARIANNE RAUWALD

    Liebe in Zeiten der Flucht

    Psychodynamische Überlegungen zur Bedeutung
    von Familie im Kontext von Flucht

    Flucht und Migration gehen für betroffene Familien mit zahlreichen gravierenden Belastungen vor, während und auch nach dem Ankommen in einer neuen Umgebung einher. Gerade kumulative traumatische Erfahrungen haben oft überdauernde und vielfach auch generationenübergreifende Folgen. Diese werden vor allem im Rahmen familiärer Beziehungen deutlich, die dadurch hoch belastet sein können.

    Besonders betroffen sind die meist vulnerabelsten Familienmitglieder, die Kinder. Dieser Beitrag setzt sich damit auseinander, wie sich die fluchtbedingte familiäre Belastung dann in Auffälligkeiten zeigt, die Hilfen nach SGB VIII notwendig machen. Es werden auf dem Hintergrund eines psychodynamisch-psychotraumatologischen Verständnisses intrafamiliäre sowie transgenerationale Prozesse der Fluchtverarbeitung beschrieben und anhand von Fallbeispielen erläutert. 

  • BIRGIT BAUMANN

    »Innerlich verroste ich…«

    Aspekte psychotherapeutischer Langzeittherapien
    mit traumatisierten Flüchtlingen am Beispiel eines
    zu Behandlungsbeginn 17;
    6 Jahre alten afghanischen Flüchtlings

    In dem Beitrag geht es um die psychotherapeutische Arbeit mit jungen Flüchtlingen. Da Afghanistan als »sicheres Herkunftsland« gilt, sind insbesondere Flüchtlinge aus diesem Land mit einer möglichen Abschiebung konfrontiert.

    Anhand einer Falldarstellung über einen afghanischen Flüchtling soll aufgezeigt werden, wie sich die unterschiedlichen Traumata (Krieg, Flucht, jahrelange Unsicherheit über den Bleibestatus) auf die Psyche des jungen Mannes ausgewirkt haben. Die Besonderheit in der Arbeit mit einem Dolmetscher wird dabei ebenso beleuchtet wie heftige Gegenübertragungsreaktionen, wenn der »Krieg im Kopf« im Praxiszimmer am Wirken ist.

  • CLAUDIA BURKHARDT-MUßMANN

    »Die Mäuse sind schuld«

    Entwicklungskonflikte eines pubertären
    Jugendlichen im Kontext von Krieg,
    Flucht und Leben in einer Flüchtlingsunterkunft

    Die Verfasserin ist psychoanalytische Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche in eigener Praxis. Als fachliche Leitung des Präventionsprojekts »Jasmin – zwischen Traum und Trauma« für geflüchtete Familien mit Kleinkindern ergeben sich immer wieder Anlässe, das professionelle Behandlungssetting gegen improvisierte Behandlungsräume und spontan aufgegriffene Formen des Zueinander-Findens zu tauschen.

    Skizziert und reflektiert wird eine Intervention, die sich im Nachgang als Einfühlungsstörung herausstellte. Sie war die »handelnde« Antwort auf einen zwölf Jahre alten Jungen, der Eigentum der Flüchtlingsunterkunft, in der er mit seiner Familie lebt, mutwillig zerstört hat und in der Unterkunft Bettnässer geworden ist.

  • JASMINKA ZULIC

    Kulturelle Unterschiede
    und ­-menschliche Begegnungen

    Ein Bericht aus der therapeutischen Arbeit
    mit geflüchteten Menschen

    Dieser Artikel gibt Einblick in die therapeutische Arbeit mit geflüchteten Menschen. Dabei werden die Herangehensweise, die Umstände der Arbeit und schließlich das sich daraus entwickelte Setting kurz beschrieben. Die darauf folgende Fallvorstellung soll den Einblick vertiefen und veranschaulichen, dass trotz vieler möglicher Barrieren und Begrenzungen eine fruchtbare therapeutische Arbeit zustande kommen kann.

    Die Arbeit mit geflüchteten Menschen fordert von beiden Seiten die Bereitschaft, sich auf eine gemeinsame Arbeit einzulassen, bei der vielleicht vieles zunächst fremd erscheint und viel Raum für Unwissenheit und Unsicherheit bleibt. Eine Arbeit, die sehr fruchtbar sein kann, wenn Bereitschaft, Offenheit und Authentizität gegenüber einer als fremd erlebten Kultur vorhanden sind.

  • DORIS MAASS

    Fremdsein und Fremdeln

    Überlegungen zur häuslichen Frühförderung
    in Migrantenfamilien

    Die Voraussetzung zu einem offenen Dialog mit Familien aus anderen Kulturen entsteht durch Neugierde und Aufgeschlossenheit für Andersartigkeit und Fremdes, um uns emotional berühren lassen zu können. Wir müssen auch bereit sein, »Fremdsein« so lassen zu können, wie es ist. Eben anders.

    Mein interdisziplinärer, familienorientierter, psychoanalytisch-heilpädagogischer Ansatz kann zu einer positiv besetzten interkulturellen Beziehungsarbeit werden, die kulturelle Vielfalt und gegenseitiges voneinander Lernen wünscht.

    Ich knüpfe hier an Winnicotts (1971) angenommenen potentiell ungeformten Spiel-Raum an. In diesem potentiellen Raum können sich zwei oder mehrere Seiten annähern und entfernen, sich verständigen und differenzieren. Sie bringen sich und ihre kulturell geprägten sowie individuellen Erfahrungen ein, ohne das kulturell Eigene völlig aufgeben zu müssen. Sie »fremdeln«. Eigenes und Fremdes begegnen sich. Ich betrachte dieses Phänomen als Annäherungsgeste. Es kann glücken. Es kann scheitern.

     

     

     

     

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