KINDER- UND JUGENDLICHEN-PSYCHOTHERAPIE
Zeitschrift für Psychoanalyse und Tiefenpsychologie

Die führende
Fachzeitschrift für
Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse

Aus dem Inhalt 

  • WOLFGANG OELSNER/GERD LEHMKUHL

    Psychodynamische Aspekte
    in der ­Entwicklung von »Spenderkindern«

    Narrative von Erwachsenen, die einst
    per Fremdsamenspende gezeugt wurden

    Eine Übersicht von beanspruchten und gängigen reproduktionsmedizinischen Methoden zur Kinder­wunsch­erfüllung wird voran gestellt. Studienergebnisse attestieren Kindern aus solchen Konstellationen eine normale, unauffällige Entwicklung. Als »Wunschkinder« wachsen sie in überwiegend zugewandten, fördernden Bin­dungsverhältnissen auf. Kritisch wird angemerkt, dass sich die insgesamt noch recht dünne Studienlage vorwiegend auf funktionale Entwicklungseckpunkte (Bildung, Beruf, Partnerschaft) bezieht. Aussagen über intrapsychische Prozesse werden nicht gemacht.

    Eigene Befragungen von Erwachsenen, die einst per Samenspende (Donogene Insemination) gezeugt worden waren, offenbaren deren Empfinden von einer »Elternschaft zu dritt«. Der meist unbekannte Samenspender (»genetischer Vater«) existiert als innere Repräsentanz. Seiner Person und Gestalt aber ist nicht habhaft zu werden. Das erschwert notwendige Entidealisierungsprozesse kindlicher Projektionen.

    Eine frühe Aufklärung der Kinder über ihren Zeugungsstatus kann einer fortgesetzt unüberprüfbaren Projektion vorbeugen. Auch hilft es, Misstrauen gegenüber der eigenen Wahrnehmung der Eltern-Kind-Beziehung zu vermeiden. Magische Denkstrukturen garantieren indes nicht, dass die Aufklärung im er­wachsenen Sinne aufgenommen wird. Zudem kann das frühe Mitwissen eines Familiengeheimnisses zum Nährboden einer Parentifizierung werden.

    Die Narrative reflektierter, erwachsener »Spenderkinder« dokumentieren, dass die Bedeutung des Samen­spenders für die Kinder größer ist, als von Kinderwunschzentren propagiert. Für Betroffene ist es anstrengend, einen unbekannten genetischen Elternteil ins Selbstbild zu integrieren. Auch die genealogische Dimension ist tiefer in Entwicklungsprozessen verortet, als es Verfechter reproduktionstechnischer Methoden glauben machen wollen. 

  • KATI ALBERT-HORZETZKY

    Psychoanalytische Säuglings-Kleinkind-Eltern-
    Psychotherapie (SKEPT) angesichts sich wandelnder
    gesellschaftlicher und familiärer Bedingungen
    SKEPT in der Spätmoderne

    Geisteswissenschaftler beschreiben unsere Zeit pointiert als Hypermoderne. Der Mensch ist flexibel, innovativ, lebt mit einer Vielzahl von Optionen und »beschleunigt«. Doch spätestens mit der Geburt des ersten Babys ändern sich die Be­dingungen. Denn das Leben mit einem Baby bedeutet überwiegend, Abhängigkeit und Konstanz zu akzeptieren und eigene Bedürfnisse zurückzunehmen.

    Manche Paare finden sich plötzlich in traditionellen Rollen wieder. Andere rivalisieren um die »Definitionsmacht« der Mutterschaft oder um die verlorengegangene Freiheit. Auch hat die narzisstische Besetzung des »Projektes Kind« zugenommen, was Eltern und Baby sehr unter Druck setzen kann. Ebenso führt die moderne Zeugungs-, Schwangerschafts- und Geburtsmedizin zu einer Vielzahl möglicher Konflikte und unbewusster Projektionen auf das Baby. In diesem Artikel geht es darum, zu verstehen, welche Bedeutung diese Entwicklung für die Eltern und deren Babys

    haben kann. 

  • KARIN J. LEBERSORGER

    »Wunschkinder« zwischen Verantwortung,

    Heimlichkeit und Zweifel

    Herausforderungen für die Eltern-Kind-Beziehung
    nach medizinisch assistierter Reproduktion

    Der Einsatz von assistierten Reproduktionstechnologien (ART) erfordert komplexe emotionale Anpassungsleistungen von Eltern und Kind. Die Öffnung der Paardyade sowie der familiären Triade um bedeutsame Andere führt zu bewussten und unbewussten Phantasien, die die Eltern-Kind-Beziehungen beeinflussen.

    Kommen biologisch Andere zum Einsatz, stellen Offenheit von Anfang an, die Anerkennung multipler Elternschaft sowie die Bewältigung genealogischer Brüche und fehlender Information eine emotionale Herausforderung für alle Beteiligten dar, besonders aber für die Identitätsfindung des Kindes. Die Tabuisierung seiner Zeugung belastet die familiären Beziehungen, ebenso wie unrealistische elterliche Erwartungen, die seitens der Versprechungen der Reproduktionsmedizin oftmals gefördert werden. 

  • ANTONIA GRIMALT

    Das Problem ist… ihr Vater ist »Fremder«

    Die Autorin beschreibt die langjährige und hochfrequente Analyse einer zu Therapiebeginn 14-jährigen Jugendlichen, die durch eine Samenspende gezeugt wurde. Die psychische Bedeutung des Einflusses dieser Zeugung durch einen Dritten auf das Beziehungsgeschehen innerhalb der Familie, die Entwicklung des Mädchens und ihre Identitätsbildung in der Adoleszenz werden aufgezeigt und in ihren Auswirkungen von Entfremdung und Leere, einer symbiotischen Bindung an die Mutter und der Unmöglichkeit von Triangulation beschrieben.

    Im Therapieprozess kam es zu eindrücklichen Gegenübertragungsreaktionen und -inszenierungen, die halfen, die qualvolle Situation des Mädchens zu verstehen, so dass die inzwischen junge Frau in diesem Prozess beginnen konnte, ihre Emotionen über das In-Worte-fassen zu fühlen und so auch Sprache für das Fremde in sich zu finden.

  • LENA NEUBURGER

    Wenn die Kinderpsychotherapeutin
    schwanger wird

    Die Auswirkungen von Schwangerschaft und
    Mutterschaft in der psychoanalytischen Arbeit
    mit Kindern und Jugendlichen

    Anhand klinischer Beispiele diskutiert die Autorin Auswirkungen von Schwangerschaft der Thera­peutin auf den Behandlungsverlauf in analytischen Psychotherapien mit Kindern und Jugen­lichen. Hierbei werden insbesondere die Aspekte beleuchtet, welche Gefühle und Phantasien diese anderen Umstände bei den Patienten auslösen und wie die Therapeutin die Übertragungs-/Gegenüber­tragungs­beziehung mit fortschreitender Schwangerschaft selbst erlebt.

    Eigene Er­fah­rungen der Autorin in der psychotherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und deren Eltern sowie Überlegungen und Befunde anderer Autorinnen zeigen, dass eine Schwangerschaft einen sehr bedeutsamen Raum in der therapeutischen Beziehung einnimmt und daher auch behandlungstechnisch Aufmerksamkeit verdient.

  • HEIKE DEGEN-HIENTZ

    Babybeobachtung – eine Vignette

    Gedanken zum präverbalen Verstehen

    Überlegungen zu intersubjektiven Prozessen

    Zu Beginn der Babybeobachtung nahm ich mir vor, wie auch in einer Abhandlung von Esther Bick empfohlen, mich nicht mittels theoretischer Texte über diese Methode kundig zu machen. Und rückblickend auf mein Erststudium war die Wissensvermittlung zur Lebenssituation von Säuglingen marginal. Lediglich René Spitz und seine wichtigen Forschungsergebnisse zum Thema Bindung waren mir noch präsent. Damals galt unser Studieninteresse eher antipädagogischen Perspektiven und gesellschaftsverändernder Theorie und Praxis.

    So habe ich mich mit viel Offenheit, Neugier, Freude und ohne die Forschungsergebnisse aktueller relevanter Autor*innen studiert zu haben, auf die Methode der Babybeobachtung eingelassen. Mir war es zudem wichtig, die Beobachtung unter Berücksichtigung aller Sinnesebenen durchzuführen. Dem Baby und den Interaktionen zwischen ihm und den Bezugspersonen galt die größte Auf­merk­samkeit. Doch mindestens genauso interessant fand ich die Interaktionen zwischen den Eltern und deren Umgang miteinander sowie deren Lebensrealität. Meine Aufmerksamkeit sollte oszillieren zwischen allem »Faktischen« und »Atmosphärischen«: eine freischwebende Aufmerksamkeit, die auch den Grad des Aufgeräumtseins der Wohnung, die Kleidung der Baby-Bezugspersonen, als auch die jeweils wechselnden Gerüche des Zuhauses u. a. miteinbezog.

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