KINDER- UND JUGENDLICHEN-PSYCHOTHERAPIE
Zeitschrift für Psychoanalyse und Tiefenpsychologie

Die führende
Fachzeitschrift für
Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalyse

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  • THOMAS EICHHORN

    Ödipale Konflikte in der Adoleszenz

    Der Ödipuskomplex, in dem die entwicklungstheoretische und die normative Perspektive systematisch miteinander verknüpft sind, beschreibt einen spezifischen Bezug zwischen dem Trieb und dem Objekt. Dem vorliegenden Vortrag liegt Freuds Erkenntnis zugrunde, dass der Ödipuskomplex deshalb als Kern der Neurose gilt, weil zur Zeit der Adoleszenz die alten familiären und inzestuösen Objekte wieder aufgenommen und von neuem libidinös besetzt werden. Die durch den Ödipuskomplex beschriebene infantile Objektwahl ragt – im Sinne des »zweizeitigen Ansatzes des menschlichen Sexuallebens« – in die spätere Zeit hinein, was verdrängt erhalten geblieben war, kehrt zur Zeit der Pubertät wieder. Die Rekon­struktion der Lebensgeschichten erwachsener Psychoneurotiker und so genannter »Perverser« hatte zudem ergeben, dass die Konflikte und Störungen, von denen ihr Leben gekennzeichnet ist, nicht nur in Bezug auf das Sexuelle, d. h. nicht nur als ein Konflikt zwischen Selbsterhaltung und Sexualität, zwischen bewusst und unbewusst oder zwischen Es und Ich, zu verstehen sind, sondern dass sie ebenso sehr durch die Spannungen, Gegensätzlichkeiten und Widersprüche, die Freud im Bereich des Sexuellen selbst entdeckt hatte, bedingt sind.

    Nach Jean Laplanches »Neuen Grundlagen für die Psychoanalyse« kann der Konflikt – oder die Dialektik – zwischen dem infantilen Trieb und dem sexuellen Instinkt, der erst ab der Pubertät die Sexualität des Menschen kennzeichnet, nicht aufgehoben werden. Die Sexualität des neuen, nachpubertär-jugendlichen Erwachsenen ist demnach von einer unaufhebbaren Spannung zwischen dem Trieb der infantilen Sexualität und der biologisch gereiften Sexualität bestimmt.

    Wie Freud den Ödipuskomplex verstanden und beschrieben hat, wird an Hand von Arbeiten Freuds – der »Traumdeutung«, der »Vorlesungen über Psychoanalyse«, dem »Kleinen Hans«, »Totem und Tabu«, »Ich und das Es« und dem »Der Untergang des Ödipuskomplexes« – nachgezeichnet.

  • JEAN LAPLANCHE

    Von der eingeschränkten
    zur allgemeinen Verführungstheorie

    Laplanche bezieht sich in seinem Beitrag auf die Verführungstheorie aus dem Jahre 1897 von Freud und legt dar, wie durch diese Theorie die Entwicklung der psychoanalytischen Forschung und Erkenntnistheorie beeinträchtigt und bis zum Jahre 1964 und 67 »eine wesentliche Grundlage der Psychoanalyse verdeckt« worden ist. Freud habe seine eigentliche Entdeckung und das wesentliche Merkmal seiner psychoanalytischen Theorie – das Aufspüren des Unbewussten hinter der Sexualität- nicht konsequent erforscht. Es geht dabei um die grundsätzliche Unterscheidung zwischen der »tatsächlichen Realität der Verführung« und der »Theorie der Verführung«.

    Im Einzelnen unterscheidet Laplanche unter anderem bei der »infantilen Verführung« nicht mehr zwischen der von Freud postulierten Unreife des Kindes, der somatischen Reaktion, der Ebene der affektiven Resonanz und der des psychischen Auffassungsvermögens. Das sei alles dasselbe, entweder könne das Kind auf das, was ihm zustößt, angemessen reagieren und es integrieren oder aber nicht. Im Weiteren stellt Laplanche die von Freud postulierte Perversion des verführenden Erwachsenen infrage, ebenso wie die grundsätzliche Passivität des Kindes im Verhältnis zum Erwachsenen.

    Diese sei von der Entwicklung des Kindes abhängig (je früher desto passiver) und die Verführung sei immer eine Folge von sexuell erlebten Szenen, die sich aufeinander aufbauen und beziehen. Die Verführung finde auf drei verschiedenen Ebenen statt: zeitlich, topisch und übersetzerisch. Die sogenannte »eingeschränkte Verführungstheorie« von Freud von 1897 habe im weiteren Verlauf der Psychoanalyse zwar eine große Kraft wegen der engen Verflechtung mit den Fakten der analytischen Erfahrung, sie weise aber auch einige Schwachstellen auf, die Laplanche aufzuzeigen und zu füllen versucht. 

  • ELFI FREIBERGER / TOBIAS VON GEISO

    Jean Laplanche – der Ödipuskomplex

    Überlegungen zum Normativen

    Ausgehend von den Überlegungen Jean Laplanches zu Freuds Triebtheorie wird die Universalität des Ödipuskomplexes kritisch überdacht. Laplanche sah den Ödipuskomplex nicht wie Freud im Unbewussten verankert, sondern als eine »Übersetzungshilfe«, die die aus dem Unbewussten andrängende infantile polymorph-perverse Sexualität in eine Narration bringt. Mit dieser Sichtweise würden sich die in der klassischen Konzeption des Ödipuskomplexes enthaltenen mythologischen, triebtheoretischen, entwicklungspsychologischen und normativen Aspekte entflechten.

    Die Überlegungen in dieser Arbeit zeigen, wie durch eine Neuformulierung des Ödipuskomplexes als kultureller Code das Normative in der Psychoanalyse – und zwar sowohl in den klinischen Anwendungen, der Theoriebildung als auch in der psychoanalytischen Institutionalisierung und der Ausbildung – zu verstehen ist und (möglicherweise) die Psychoanalyse strukturell zugänglicher für Reformansätze werden könnte.

  • ILKA QUINDEAU

    Ist der Ödipuskomplex noch zeitgemäß?

    Psychoanalytische Konzepte zum Geschlecht

    Der Ödipuskonflikt nimmt nach wie vor eine zentrale Rolle in der Psychoanalyse ein. In diesem Geschehen etabliert sich Differenz – auf der Ebene des Geschlechts ebenso wie auf der Ebene der Generationen – und Ambiguität. Für die psychische Strukturbildung erscheint dies unverzichtbar. Vielfach wird diese Triangulierung jedoch an Geschlechterdifferenz und an biologische Verwandtschaftsverhältnisse gebunden. Dies erscheint als problematische Verengung. Vorgestellt wird ein ödipales Strukturmodell jenseits der Heteronormative.

  • THOMAS HÜLLER

    Auch an der Bulimie ist
    nicht nur die Mama schuld!

    Der Autor versucht anhand der Behandlungen von adoleszenten Bulimikerinnen zu zeigen, wie er über die Modalitäten des Ödipuskonfliktes einen technischen Zugang zu den für diese Pathologie typischen Fixierungen bekommt. Dabei zeigt sich, wie ödipale Konfrontationen und die damit verbundenen Symbolisierungsschwächen zu desorganisierenden Faktoren in der Psyche werden können. Weiter untersucht wird die Rolle der Väter, die stellvertretend für eine gesellschaftliche Entwicklung Probleme von Väterlichkeit und Verantwortlichkeit aufzeigen; Fragestellungen, die auch Entwicklungen in der Psychoanalyse betreffen.

  • FRIEDL FRÜH

    Zeitumbrüche

    Umbrüche in der psychosexuellen Entwicklung des Menschen

    Dass die menschliche Entwicklungszeit von Bruchlinien gekennzeichnet ist, wird das Thema dieses Beitrags sein. Die psychosexuellen Entwicklungslinien des Menschen werden als miteinander verstellt und ineinander verschoben aufgezeigt. Dabei wird dem Verlorengegangenen, dem Untergegangenen aber im jeweils Neuen eine Art Denkmal gesetzt, das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart, von Kindheit und Erwachsensein wird die Frage des ödipalen Konflikts wenn nicht ausschließlich bestimmen, so doch jedenfalls wesentlich berühren.

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